#35 Fetisch im Alter – es ist nie zu spät zu sich zu stehen!

Heute haben wir einen ganz besonderen Gast bei uns im Studio: Uli, 69 Jahre alt, Vollzeit-Lederkerl („Ich bin ja kein Teilzeit-Lederkerl!“) – und genauso ist er auch angereist: komplett in Leder im Regionalexpress, inklusive interessierter Blicke. Das Thema Fetisch im Alter habt ihr euch in unzähligen Zuschriften gewünscht, und Uli wurde uns sogar direkt aus der Community als Gast vorgeschlagen. Unser Motto für diese Folge: Es ist nie zu spät, zu sich zu stehen!

Uli nimmt uns mit auf eine Zeitreise: aufgewachsen im Ruhrgebiet, hat ihn der Fetisch schon in der Schulzeit gepackt – wenn die älteren Jungs mit Motorrädern und Lederjacken ankamen, musste er „außerplanmäßig zur Toilette“. Er konnte gar nicht schnell genug 18 werden für den Motorradführerschein. Aber es war eine andere Zeit: Der Paragraf 175 galt noch, die Motorsport-Clubs (MSC) dienten als Tarnung für die Lederszene, und gedatet wurde per Chiffre-Anzeige in der Zeitschrift „Motorrad“ – handgeschrieben, postlagernd und natürlich ohne Bild. Ein Generationen-Austausch, bei dem uns mehr als einmal die Kinnlade runterklappt.

Der Wendepunkt in Ulis Leben: Nach dem Outing-„Tribunal“ bei den Eltern lebte er zwar offen schwul, aber der Fetisch blieb lange privat – als Pressesprecher ging es damals nicht anders. 1990 lernte er seinen Mann kennen, 27 Jahre waren sie zusammen, bis dieser 2017 verstarb. Und dann traf Uli mit 60 eine Entscheidung: „Ich habe nur ein Leben – jetzt Vollgas, Fetisch 150 %!“ Wenn er heute Fotos von sich aus dem Jahr 1979 sieht, trauert er der Zeit nicht hinterher: „Es war eine geile Zeit, aber jetzt ist meine Zeit. Ich war noch nie so glücklich und zufrieden wie jetzt.“ Und als wäre das nicht genug: Mit über 60 hat er auch noch einen neuen Partner gefunden – kennengelernt ganz analog, bei seinem eigenen Step Down.

Denn Uli ist aus der Community nicht mehr wegzudenken: Er war Mister Leder Hamburg 2023/24 (gewählt und verabschiedet im Uebel & Gefährlich), wurde völlig überraschend zum Kohlkönig des LC Nordwest ernannt und trägt den wohl schönsten inoffiziellen Titel der Szene: Mister FKK – Foto, Kaffee, Kuchen. Besonders am Herzen liegt ihm, auch bei den kleinen CSDs Flagge zu zeigen – ob Verden an der Aller oder Delmenhorst: „Es kommt letztendlich auf die Kleinen an.“ Nebenbei sammelt er mit den Schärpenträgern für die AIDS-Hilfe und ist inzwischen sogar Mitglied im MSC Belgien.

Und damit sind wir beim Kern der Folge: Wo sind eigentlich die Älteren in unserer Community? Auf den CSDs kann man sie an einer Hand abzählen, viele haben sich zurückgezogen – oft mit dem Gedanken, es sei „zu spät“. Uli hält dagegen: Einfach den Schalter im Kopf umlegen! Ob 40, 50 oder 60 – das ist kein Alter, und Fetisch hat weder Anfang noch Ende. Bei ihm kam mit Mitte 60 sogar noch ein neuer Fetisch dazu (orange Workwear!), und auf die Frage, ob Fetisch im Alter extremer wird, hat er die schönste Antwort: nicht extremer – intensiver. Auch Alex‘ Opa liefert den Beweis, dass Alter nur eine Einstellung ist: Mit 91 hat er sich selbst ein Instagram-Profil eingerichtet und folgt Alex privat.

Zum Schluss wird es noch einmal emotional: Markus erzählt, wie er in einem Führungskräfte-Seminar vor zwölf fremden Menschen den Mut fasste, von unserem Podcast zu erzählen – „Achtung, jetzt wird es schmuddelig“ – und dafür tief beeindruckte Reaktionen bekam. Seine Botschaft, die perfekt zu Uli passt: Seid offen, steht zu euch – es lohnt sich! Danke, lieber Uli, für deinen Einsatz für die Community und diesen wunderbaren Generationen-Austausch.

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WEITERE FOLGEN VON SCHWarz & eng

#34 Pille rein, horny sein – Achtung bei Substanzkonsum!

Wir waren live und mit Publikum zu Gast bei Hein & Fiete in Hamburg – und hatten mit Henry und Fabian zwei echte Experten an unserer Seite. In unserer ersten Experten-Folge geht es um Chemsex und Substanzkonsum: Welche Substanzen kursieren gerade in der Szene, warum ist die Kombination aus Poppers und Potenzmitteln lebensgefährlich, und wo überschneiden sich Substanzkonsum und Fetisch – Stichwort Ketamin, Bondage und Breath Control? Henry und Fabian erklären, wie die gemeinsame Chemsex-Beratung von Hein & Fiete und der Drogenhilfe funktioniert (jeden Mittwoch ab 18 Uhr, anonym und ohne erhobenen Zeigefinger), was hinter Drug Checking und Safer Use steckt und warum der erste Schritt – überhaupt über Konsum zu sprechen – der schwerste ist.

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#33 Update aus dem Fetisch-Leben

Wir sind zurück aus der Sommerpause und haben einiges nachzuholen: In dieser Update-Folge erzählen wir, was in den letzten Monaten bei uns passiert ist – von Alex‘ Hausbau-Chaos, spontanen Dates und der Bühnenbesichtigung für die Rainbow Cruise 2027 bis zu Markus‘ Event-Marathon mit Fetisch-Barkassenfahrt beim Hafengeburtstag, Hamburg Fetish Weekend, MLC Stuttgart (inklusive erstem Puppy Walk), Bunker Dresden und der letzten Gear and Dance in Bottrop. Außerdem sprechen wir über Toleranz im Berufsleben, eure Kinky-Highlights des ersten Halbjahrs und alles, was noch ansteht: unsere Live-Folge bei Hein & Fiete am 8. Juli zum Thema Substanzkonsum, die CSDs in Berlin und Hamburg, Puppy Park Mannheim und die Folsom Berlin.

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#32 Der KitKatClub – Eine Geschichte über Freiheit, Akzeptanz und Respekt

In Folge 32 begrüßen wir mit Alexandra Bahr unsere allererste weibliche Gästin – und damit gleich eine echte Institution: Seit 27 Jahren ist sie Teil des Berliner KitKatClubs und kennt diesen außergewöhnlichen Ort wie kaum jemand sonst. Wir reden über ihre erste, wilde Berlin-Nacht 1998, über das, was den Club so magisch macht, über Werte wie Achtsamkeit, Respekt und das Prinzip „Do what you want but stay in communication“, über das strikte Handyverbot, die bunte Vielfalt der Gäste und Partys, über das Naked String Quartett am Pool und ihr neues Buch „Radikal frei – Der KitKatClub als Spiegel unserer Kultur“. Eine Folge, bei der unsere Augen funkeln und bei der wir spüren: Dieser Ort ist mehr als ein Club – er ist fast ein Abbild einer idealen Gesellschaft.

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