#32 Der KitKatClub – Eine Geschichte über Freiheit, Akzeptanz und Respekt

Diese Folge ist für uns etwas ganz Besonderes – und gleich in mehrfacher Hinsicht eine Premiere. Mit Alexandra Bahr sitzt uns zum ersten Mal eine Frau gegenüber, und nicht irgendeine: Sie ist seit fast 28 Jahren mit dem Berliner KitKatClub verwoben und arbeitet bis heute Samstagnacht an der Kasse. Markus war beim ersten Anbahnen dieses Termins so aufgedreht, dass er beim Sport vor lauter Aufregung nicht weiter trainieren konnte, und Alex steigt zum ersten Mal tiefer in diese Welt ein – ohne jemals selbst im KitKat gewesen zu sein. Genau diese Mischung aus Insiderin, Fanboy und neugierigem Newbie macht das Gespräch für uns so wertvoll.

Alexandra nimmt uns mit auf eine kleine Zeitreise: Mit 18 Jahren verließ sie 1998 ihr sächsisches Dorf, in dem ihre Sexualität und ihre Neugier viel zu groß für den Ort waren. In Berlin landete sie über den Böse Buben Club und einen außergewöhnlichen älteren Herren mit Tina-Turner-Perücke noch in derselben Nacht zum allerersten Mal im KitKat – und wusste sofort: Hier ist mein Zuhause. Wir hören, wie sie alle Grenzen für sich neu definierte, wie sie viele Jahre fast nackt durch den Club ging und warum der KitKat für sie lange ein „sexueller Hafen“ war, der ihr eine Freiheit bot, die unsere Gesellschaft sonst kaum kennt.

Im Gespräch versuchen wir, das KitKat in Worte zu fassen – und merken schnell, wie schwer das ist. Es ist kein reiner Fetisch-Club, sondern ein hedonistischer Ort, an dem die ganze Bandbreite menschlicher Lebens- und Liebesformen zusammenkommt. Alexandra bringt es für uns auf den Punkt: „Do what you want but stay in communication.“ Genau deshalb gilt seit jeher striktes Handyverbot, deshalb gibt es keine Umkleidekabinen, deshalb sind Hierarchien an der Tür abgelegt – im KitKat siehst du den Menschen nicht an, ob sie Pflegekraft, Unternehmensberater oder CEO sind. Für uns klingt das fast wie ein Abbild einer idealen Gesellschaft, das es zumindest für eine Nacht tatsächlich gibt.

Wir lernen außerdem den Rhythmus des Clubs kennen: rund 2000 Gäste aus aller Welt, verteilt auf mehrere Stockwerke, Tanzflächen, Pool und eine riesige Kunstausstellung. Wir sprechen über die unterschiedlichen Partys und vor allem über die berühmte Samstagnacht, die KitKat-Nacht, in der das Naked String Quartett ab 20 Uhr klassische Musik am Pool spielt, bevor um 22 Uhr im Mainfloor der Techno übernimmt. Markus schwärmt von älteren Herren im Abendkleid auf dem Podest, von Tango-Tänzer:innen, die sich nach ihrer Stunde unter die Gäste mischen, und einem dreitägigen Berlin-Wochenende, das für ihn besser erholt als jeder Thailand-Urlaub. Alex‘ Augen funkeln, und nach einer fast misslungenen Kitkat-Premiere vor verschlossener Tür macht er einen mutigen Plan: Beim nächsten Berlin-Termin geht er wirklich rein.

Wir sprechen auch ehrlich über das, was sich verändert. Alexandra beobachtet, dass die ganz extremen, individuellen Fetische seltener werden, dafür „mainstreamfähigere“ Spielarten zunehmen. Junge Gäste, gerade Frauen, kommen oft, um in Ruhe feiern zu können, ohne ständig angebaggert zu werden – das verstehen wir gut. Gleichzeitig wundert uns Alexandras Beobachtung, dass an manchen Abenden „Solo Wanking“ verpönt sei, obwohl genau das früher zur sexuellen Energie des Clubs gehörte. Wir reden über Social Media, Anonymität und das Bedürfnis, nicht aufzufallen – und stellen fest, dass der KitKat als Spiegel unserer Kultur genau diese Spannungen sichtbar macht: mehr Offenheit auf der einen Seite, weniger gelebte Individualität auf der anderen.

Zum Schluss sprechen wir über Alexandras Buch „Radikal frei – Der KitKatClub als Spiegel unserer Kultur“, das am 3. Juni erscheint und kurz darauf auch als Hörbuch kommt. Darin steckt für uns alles drin, was diese Folge so kostbar macht: Geschichten aus dem Club, ihre eigene Lebenserfahrung und ein gesellschaftlicher Blick, den sich kaum jemand sonst so leisten kann. Wir bedanken uns für ein Gespräch, das uns berührt, inspiriert und uns – Alex inklusive – Lust gemacht hat, diese Welt mit eigenen Augen zu erleben. Und ganz nebenbei laden wir euch zur nächsten Live-Folge am 8. Juli bei Hein & Fiete in Hamburg ein: „Pille rein, horny sein – Obacht beim Substanzkonsum“.

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WEITERE FOLGEN VON SCHWarz & eng

#31 Geschichten aus dem Darkroom – Live aus dem Tom‘s in Hamburg

In Folge 31 senden wir live aus dem Tom’s in Hamburg zum Auftakt des Hamburg Fetish Weekend. Zusammen mit unseren Gästen David (Inhaber des Tom’s), Dominik (Gründer vom schwarz & eng Social) und Patrick (unser Kameramann) sprechen wir über die Geschichte der legendären Bar, teilen die absurdesten und lustigsten Darkroom-Geschichten (von verirrten Gästen über schlafende Besucher bis zur berüchtigten Rolex-Anekdote), erfahren, wie schwarz & eng Social entstanden ist, und feiern live Markus‘ offizielles Debüt als Pup.

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#30 Wraff! Jetzt wird gebellt. Einblicke in das Pup-Play von zwei Puppys

In Folge 30 tauchen wir mit zwei Gästen tief in die Welt des Pup-Plays ein. Ein Newcomer aus München und ein erfahrener Pup aus Berlin erklären uns, was Pup-Play ausmacht, wie man in die Community findet, welche Events und Stammtische es gibt und warum das Aufsetzen einer Maske so viel mehr sein kann als nur ein Fetisch. Wir sprechen über den Umgang mit der Öffentlichkeit, über Vorurteile rund um CSDs, über die Frage ob Pup-Play sexuell oder nonsexuell ist.

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#29 Sagging & Streetstyle – Was ist das eigentlich mit den Hosen?

In Folge 29 von schwarz & eng haben wir Marvin zu Gast – den Freund von Markus – und sprechen über Sagging und Streetstyle als Fetisch. Wir erfahren, was genau hinter dem Baggy-Look steckt, welche Klamotten und Marken dazugehören und warum Marvin dieser Style schon seit seiner Kindheit fasziniert. Außerdem sprechen wir über die Beziehung der beiden, ihre offene Beziehung, die Partyszene rund um den Streetwear-Fetisch und darüber, wie man seinen Fetisch selbstbewusst in der Öffentlichkeit leben kann.

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