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Shownotes
Uli nimmt uns mit auf eine Zeitreise: aufgewachsen im Ruhrgebiet, hat ihn der Fetisch schon in der Schulzeit gepackt – wenn die älteren Jungs mit Motorrädern und Lederjacken ankamen, musste er „außerplanmäßig zur Toilette". Er konnte gar nicht schnell genug 18 werden für den Motorradführerschein. Aber es war eine andere Zeit: Der Paragraf 175 galt noch, die Motorsport-Clubs (MSC) dienten als Tarnung für die Lederszene, und gedatet wurde per Chiffre-Anzeige in der Zeitschrift „Motorrad" – handgeschrieben, postlagernd und natürlich ohne Bild. Ein Generationen-Austausch, bei dem uns mehr als einmal die Kinnlade runterklappt.
Der Wendepunkt in Ulis Leben: Nach dem Outing-„Tribunal" bei den Eltern lebte er zwar offen schwul, aber der Fetisch blieb lange privat – als Pressesprecher ging es damals nicht anders. 1990 lernte er seinen Mann kennen, 27 Jahre waren sie zusammen, bis dieser 2017 verstarb. Und dann traf Uli mit 60 eine Entscheidung: „Ich habe nur ein Leben – jetzt Vollgas, Fetisch 150 %!" Wenn er heute Fotos von sich aus dem Jahr 1979 sieht, trauert er der Zeit nicht hinterher: „Es war eine geile Zeit, aber jetzt ist meine Zeit. Ich war noch nie so glücklich und zufrieden wie jetzt." Und als wäre das nicht genug: Mit über 60 hat er auch noch einen neuen Partner gefunden – kennengelernt ganz analog, bei seinem eigenen Step Down.
Denn Uli ist aus der Community nicht mehr wegzudenken: Er war Mister Leder Hamburg 2023/24 (gewählt und verabschiedet im Uebel & Gefährlich), wurde völlig überraschend zum Kohlkönig des LC Nordwest ernannt und trägt den wohl schönsten inoffiziellen Titel der Szene: Mister FKK – Foto, Kaffee, Kuchen. Besonders am Herzen liegt ihm, auch bei den kleinen CSDs Flagge zu zeigen – ob Verden an der Aller oder Delmenhorst: „Es kommt letztendlich auf die Kleinen an." Nebenbei sammelt er mit den Schärpenträgern für die AIDS-Hilfe und ist inzwischen sogar Mitglied im MSC Belgien.
Und damit sind wir beim Kern der Folge: Wo sind eigentlich die Älteren in unserer Community? Auf den CSDs kann man sie an einer Hand abzählen, viele haben sich zurückgezogen – oft mit dem Gedanken, es sei „zu spät". Uli hält dagegen: Einfach den Schalter im Kopf umlegen! Ob 40, 50 oder 60 – das ist kein Alter, und Fetisch hat weder Anfang noch Ende. Bei ihm kam mit Mitte 60 sogar noch ein neuer Fetisch dazu (orange Workwear!), und auf die Frage, ob Fetisch im Alter extremer wird, hat er die schönste Antwort: nicht extremer – intensiver. Auch Alex' Opa liefert den Beweis, dass Alter nur eine Einstellung ist: Mit 91 hat er sich selbst ein Instagram-Profil eingerichtet und folgt Alex privat.
Zum Schluss wird es noch einmal emotional: Markus erzählt, wie er in einem Führungskräfte-Seminar vor zwölf fremden Menschen den Mut fasste, von unserem Podcast zu erzählen – „Achtung, jetzt wird es schmuddelig" – und dafür tief beeindruckte Reaktionen bekam. Seine Botschaft, die perfekt zu Uli passt: Seid offen, steht zu euch – es lohnt sich! Danke, lieber Uli, für deinen Einsatz für die Community und diesen wunderbaren Generationen-Austausch.