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Folge 36 1 Std. 45 Min.

#36 Furry: Wie viel Fetisch steckt im Fell?

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Shownotes

Theron und Burstup nehmen uns mitten hinein ins Furry-Fandom

Bevor wir überhaupt zur Definition kommen, sind wir schon wieder mittendrin: Die beiden kennen sich nicht von einer Con, sondern aus VRChat – Fullbody-Tracking, Sensoren an Füßen und Hüfte, Clubs mit richtig guter Musik, mitten in der Pandemie. Und dann dieses Phänomen namens Phantom Sense, bei dem das Gehirn irgendwann glaubt, Berührungen im virtuellen Raum tatsächlich zu spüren. Die schönste Geschichte des Abends: das erste Treffen nach der Pandemie, Berlin 2023, Tanzfläche – und man erkennt seine Freunde daran, wie sie tanzen und klingen, obwohl man sie nie in der „Physik" getroffen hat. Alex' Kinnlade: unten.

Dann holen wir 20 Schritte zurück, weil viele von euch beim Begriff Furry erstmal an Weichspüler denken. Furrys interessieren sich für anthropomorphe Tiere – Tierfiguren mit menschlichen Zügen. Daraus entsteht eine eigene Fursona: Spezies, Farben, Markings, alles individuell, nichts von der Stange, dazu Unmengen an Artwork, Rollenspiel und Community. Das Ganze ist übrigens keine Erfindung des Internets: Die älteste bekannte figürliche Darstellung eines Menschen ist der 40.000 Jahre alte Löwenmensch vom Hohlenstein-Stadel in Baden-Württemberg. Der Begriff „Furry" selbst existiert erst seit Ende der 80er, das Fandom entstand aus Underground-Comics der 70er und 80er. Und ganz klar abzugrenzen von Therians, die sagen: Ich bin eine Katze.

Das Faszinierendste für uns: Wir sind eine geschlagene Stunde in einem Fetisch-Podcast unterwegs, und es ist komplett nonsexuell. Genau das ist der Punkt – das Fandom ist flauschig, kreativ, manchmal kindlich, und beides darf nebeneinander existieren. Wir reden über Zahlen (nur rund 20 % hetero, etwa 10 % asexuell, der Rest irgendwo im queeren Spektrum), über Fursuit-Preise, die uns fast vom Stuhl hauen (ein Kopf ab ca. 5.000 €, komplette Suits bis 15.000 €, Wartelisten von einem bis drei Jahren) – „und wir dachten, Rubber ist teuer!" –, über selbstgebaute Suits mit 3D-Drucker und YouTube-Tutorials und darüber, wie aus einer Handvoll Leuten in Berlin ein Rubber-Fur-Event mit 550 Teilnehmenden wurde. Dazu die Basics, an die kein Mensch denkt: 50 Zentimeter lange Strohhalme, Ventilatoren in jeder Ecke und eine Headless Lounge, in der man den Kopf abnehmen kann.

Was uns dabei richtig beeindruckt: Diese ganze Maschine läuft ehrenamtlich. Rund 10 % der Anwesenden arbeiten mit, keiner wird bezahlt – Tontechniker, Lichtleute, Laser, 3D-Animationskünstler, die sonst für Disney arbeiten, ganze Puppentheater-Produktionen mit eigenem Komponisten. Sie zahlen ihr Hotelzimmer selbst und bringen unzählige Stunden Arbeit mit. Dazu ein Hotel in Thüringen, das mit der Community so verwachsen ist, dass sie ihm die Poolbeleuchtung und Glasfaser eingebaut haben und das Gebäude eine Woche lang von der Autobahn aus leuchtet. Und ein Zusammenhalt, der auch bei uns ankam: Unser Team hatte ein Kabel vergessen – zehn Minuten später war das Problem über zwei Ecken gelöst. Danke dafür!

Und dann kommt sie doch, die Frage: Wie versaut seid ihr? Klare Antwort: Furry ist nicht gleichzusetzen mit Fetisch – aber die Überschneidung ist riesig, rund 87 % der männlichen Furrys geben an, regelmäßig Furry-Erotik zu konsumieren, offene Beziehungen sind völlig normal, es gibt eigene Begriffe, eigene Apps, gefühlt 30 Telegram-Gruppen (zwei Drittel davon Sex und Party). Gleichzeitig zieht die Community erstaunlich klare Grenzen: keine Under-18 auf europäischen Cons, tagsüber alles safe und familienfreundlich, nachts dann Relaxed-Dresscode-Dances – Konsensprinzip und Kontextprinzip. Wir sprechen außerdem über Vorurteile von außen, über Spezies-Klischees (Füchse sind angeblich immer bottom), über Markus' wunderschönen ersten Abend im Puppy Park in Mannheim (Handyverbot inklusive – und er findet's inzwischen gut), über die älteste Furry, die Burstup kennengelernt hat (89 Jahre, am Registration Desk) und über Alex' Kuchen-Moment mit der Freundin seines Mannes. Das Wort zum Sonntag liefern unsere Gäste selbst: Beide Seiten haben recht, und beide dürfen existieren. Danke, Theron und Burstup – wir sind schwer begeistert. Und ja: Der Cremant klebt jetzt an der Hotelwand.

Kapitel

Folge 35 #35 Fetisch im Alter - es ist nie zu spät zu sich zu stehen!