#37 Kinky Warmup zur Folsom Europe - Was erwartet Euch in Berlin?
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Shownotes
Von San Francisco nach Berlin – seit 2003. Die Idee brachte eines der Gründungsmitglieder aus San Francisco mit: Kinky und Charity vermischen, und das Ganze auf die Straße. Hamburg war kurz im Gespräch, am Ende passte Berlin einfach besser. In diesem Jahr steht die 23. Ausgabe an – Corona hat eine gekostet. Denis macht uns deutlich, warum diese Sichtbarkeit gerade jetzt zählt: Es gibt jedes Jahr Anfragen, warum die Stadt so etwas überhaupt erlaubt, der Berliner CSD endete alles andere als schön, und vor wenigen Tagen wurde im Kiez eine Regenbogenwand zerstört. Beim CSD stand das Team dieses Jahr erstmals mit Bondage auf der Bühne – die Reaktionen waren überraschend positiv.
Hinter der Folsom steht ein kleiner Vorstand, ein paar Mitglieder – und vor allem die Volunteers, ohne die gar nichts ginge: Parkraumbewirtschaftung, Bars, Auf- und Abbau, zwei volle Tage. Sie kommen nicht nur aus Berlin, sondern aus London und den USA angereist, und wer mitmachen möchte, kann sich auch dieses Jahr noch melden. Genauso läuft es beim Geld: Das Straßenfest ist kostenlos, an den vier Eingängen wird um Spenden gebeten – inzwischen auch digital per Karte und Apple Pay, "kein Bargeld dabei" gilt also nicht mehr als Ausrede. Nach dem Fest kann sich die Community per Formular um die Mittel bewerben; finanziert wurden damit schon Fetischwochen, der Buchladen Eisenherz und sogar neue Sportgeräte für die Kita im Kiez.
Die Folsom ist kein festes Programm, sondern ein Kosmos: ein kostenloses Straßenfest plus unzählige Partys, Bootstouren und Events von Mittwoch bis Sonntag. Auf der Straße mischt sich alles – Fetischläden und Aussteller, die man sonst nur aus dem Internet kennt, Vereine, Shows, die Kita mit ihren Schokoküssen und der Mexikaner gegenüber, der jedes Jahr Cocktails mixt. Zwischen 10.000 und 20.000 Menschen werden erwartet, je nach Wetter – bei rund 20 Grad wird es dieses Jahr wohl eher Leder- als Rubberwetter. Wir räumen gleich mehrere Ängste ab: Ihr dürft allein hingehen, Ihr dürft in Jogginghose hingehen, Ihr dürft nach Fotos fragen, und es gibt weder ein "zu alt" noch ein "zu spät". Neu in diesem Jahr: Der Freitagabend ist erstmals offiziell Straßenfest, ab 18 Uhr – das entzerrt den Samstag, der wie gewohnt um 12 Uhr startet.
Vor Ort gibt es ein Security-Team an den Eingängen, Volunteers in roten Shirts als Ansprechpartner und zwei Sanitätswagen. Genauso wichtig: aufeinander achten, ansprechen, genug trinken – und zwar nicht nur Alkohol. Markus erzählt von einem echten Panikmoment, als er vor Jahren mit Maske und Zwangsjacke an der Leine im Dunkeln zum Fest geführt wurde und seine Begleitung angepöbelt wurde: Auf dem Hin- und Rückweg lieber nicht allein, lieber etwas drüberziehen, im Zweifel gemeinsam gehen. Und ein klares Wort zum Straßenfest selbst: Es ist non-sexuell. Wer horny ist, geht in einen Darkroom, nicht auf die Straße – die Akzeptanz der Anwohnenden ist zu wertvoll, um sie zu verspielen. Beim Thema Barrierefreiheit ist das Team ebenerdig unterwegs, hat Gebärdendolmetscher auf den Bühnen und ist ausdrücklich offen für Feedback.
Nachdem wir Denis verabschiedet haben, packen wir unsere eigenen Pläne aus: Anreise Donnerstag, Abreise Montag – ein Urlaubstag, der sich jedes Jahr lohnt. Alex lässt sich treiben und will keine Termine, Markus hat Donnerstag Kultur (Musical-Empfehlung: "Wir sind am Leben" im Theater des Westens), Freitag Kaffee und Kuchen plus Party, Samstag bewusst nichts. Dazu gibt es reichlich Partytipps für die ganze Woche, ein Highlight in eigener Sache – die PIG Party in der Alten Münze hat nach unserer Folge zum Thema Barrierefreiheit ein eigenes Konzept dafür entwickelt – und einen Hinweis auf einen Rubber-Pop-up-Store. Zum Schluss: unsere Termine in Dresden und Hamburg Ende September, die Einladung zu FKK (Foto, Kaffee, Kuchen) am 25. Oktober im Café Uhrlaub, ein Service-Hinweis zum Post-Folsom-Blues, ein Trostwort an alle, die dieses Jahr nicht können – und unsere dringende Bitte: Sprecht uns an. Wir beißen nicht.